Seenot-Rettungskreuzer "Adolph Bermpohl"

 

Im Herbst 2002 habe ich bei ebay einen Seenot-Rettungskreuzer als Bausatz günstig erstanden. Dann ging's auch schon an den Bau, Wochenende für Wochenende. Mein Sohn hat ein passendes Beiboot bekommen, denn es macht Spaß, wenn es hinten auf Papa's großes Boot darf...

Aber zuerst noch die Planung. Was soll ferngesteuert werden? Das Boot, klar, aber wie? Es hat 3 Motoren und 3 Schrauben: backbord, mittschiffs, steuerbord (gewöhnen wir uns schon mal daran:-).

Soll der mittlere Motor ständig mitlaufen oder nicht? Soll ich ein Bugstrahlruder einbauen (hatte das Original aber nicht!), damit wäre es besser zu steuern?

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Das Internet ist eine gute Hilfe für Informationen über das Schiff. Auch bei der weiteren Teilebeschaffung; ich habe einen guten Fahrregler bei ebay ersteigert für 28,- €.

Dann habe ich mit bedruckbarer Kunststoff-Folie von Conrad auch gleich die Beschriftung der Fernsteueranlage erstellt.

Es ist zuerst viel Aufwand, sieht aber großartig aus. Von Conrad sind auch die äußeren Motoren. Ich habe Mabuchi 540er genommen, diese werden mit 6 Volt angesteuert (in Reihe geschaltet) und wirken auf zwei 40er Dreiblattschrauben. Der Steuerbord-Motor ist per Relais umpolbar, damit kann das Modell auf dem Teller drehen (hatte ich mir so gedacht). In der Praxis sieht es aber so aus, dass die Schiffschrauben bei Vorwärtsfahrt etwas mehr Druck machen als Rückwärts, das Boot fährt dann immer leicht voraus.

Der Mittelmotor (Speed 600) treibt über ein Zahnriemengetriebe eine 60er Dreiblattschraube an und wird per Relais an den Fahrregler für die Seitenmotoren geschaltet, damit er sich besser dosieren lässt.

   

Die Wellen sind umlaufgeschmiert, d.h. oben eine Öffnung zum befüllen mit Fett, unten eine Öffnung zum Austritt, absolut dicht. Aber trotzdem hin und wieder kontrollieren bzw. nachfetten, es kommt immer etwas Wasser in's Stevenrohr. Ebenso sind die Ruderkoker durch Messing-Bundnieten ersetzt und oben und unten mit O-Ringen abgedichtet. Für den Fall der Fälle ist noch eine Lenzpumpe (Scheibenwaschpumpe vom Auto) mit Feuchtigkeitssensor eingebaut. Die gelben Kugeln sind Auffangbehälter für herausschleuderndes Fett und wurden aus Überraschungseiern gemacht.

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Als Stromversorgung dienen zwei parallelgeschaltete 12V 6Ah-Bleigel-Akkus aus einer Alarmanlage (von ebay, woher sonst :-), sie sind zwar sehr schwer und das Boot liegt sehr tief, aber sie erlauben bei einem Strom von 10 A bei Volllast Fahrzeiten von über einer Stunde.

Nun zum Thema Beibootaufnahme: Es ist eigentlich das, was einen Seenot-Rettungskreuzer erst richtig interessant macht. Ferngesteuert das kleine Tochterboot absetzen und wieder aufnehmen.

Die graupnersche Lösung scheint mir sehr anfällig zu sein, daher probierte ich es zuerst mit der Zahnrad/Kettenkiel-Methode. Hier greift ein kleinen Fischertechnik-Zahnrad am unteren Ende der Wanne in eine Kunststoff-Kette, die entlang des Tochterbootkiels angebracht ist, und zieht dieses nach oben.

In der Badewanne klappt das prima, aber nicht bei dem Geschaukel auf dem Teich. Das Zahnrad greift nicht, sondern springt über und rattert unter dem kleinen Boot nur rum. Außerdem braucht das leichte Beiboot viel Anlauf, um überhaupt so weit auf die Heckklappe zu kommen, und das wird bei nachlassenden Akkus dann fast unmöglich.

Also habe ich mir mal angesehen, wie das heute bei der DGzRS geschieht, und kam auf den Schlitten-Antrieb. Hier ein paar Überlegungen dazu:

Detailbilder folgen noch, sobald der Aufzug fertig und getestet ist. Leider schippert jetzt das Beiboot mit dem Kettenkiel herum, aber was soll's, er ist ja meist unter Wasser.

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Heute habe ich Drachenschnur als Seil für den Tochterboot-Aufzug ausprobiert, aber sie läuft sehr schwer. Ich werde mal Angelschnur ausprobieren, die ist schön glatt und sehr reißfest. Hier nun die Bilder:


Der Aufnahmeschlitten ist in der unteren Position und wartet auf das Beiboot


Das Beiboot fährt langsam an das Heck des SRK heran
(oder der SRK langsam ans Beiboot, sollte dem mal die Puste ausgehen!)


Mit einem kleinen "Stubser" hakt sich das Boot ein...


...und wird sofort vom Linearantrieb (der Graupnersche in verstärkter Version) hochgezogen.


Dabei läuft es auf der hintersten Rolle und wird von den beidseitig angebrachten
Stützrollen auf Deck halbwegs aufrecht gehalten.


Die verwendete Angelschnur, die den Schlitten mit dem Linearantrieb verbindet,
läuft sehr sauber und ohne hakeln, muss aber an Umlenkpunkten durch Ösen geführt werden.


Ungefähr 3 cm vor der oberen Position stoppt der Linearantrieb mittels Endschaltern
(Mikroschalter an beiden Enden der Gewindestange), ohne dass die Gewindemutter aus
dem Gewinde herausläuft, damit sie sich nicht verhakt bei Drehrichtungsumkehr.


Den Rest macht die sich schließende Heckklappe. Sie schiebt das Beiboot weiter
hoch und der Fanghaken am Bug hakt sich wieder aus. Die Heckklappe ist dafür
an beiden Seiten mit Bowdenzügen verbunden, die über einen Y-Verzögerungsbaustein
und einer Zugentlastung (Wichtig!) an 2 Servos hängen; sie hat damit die erforderliche Kraft.


Jetzt ist das Beiboot wieder startklar und rutscht durch die Schwerkraft
bei geöffneter Heckklappe wieder aus der Wanne (Rollen leichtgängig!)


Das Beiboot schaltet sich in dieser Position ab. Ein Reedschalter im Beiboot
kappt den Empfängerakku, um nicht unnötig Amperes zu verbrauchen.
Ein starker Magnet befindet sich unter der Beibootwanne.
   

Ich werde diesen Bericht laufend ergänzen und weitere Tipps zum Bau der Adolph Bermpohl geben. Ihr könnt mich aber auch gerne fragen:

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Zwei Akkus sind viel zu schwer, das Boot wiegt fast 10 kg und liegt im Wasser wie eine Gehwegplatte. Also 1 Akku raus, geht zwar auf die Betriebszeit (rechnerisch etwa 1/2 h bei Vollast), aber das Boot liegt mit etwas über 7 kg wesentlich besser im Wasser und das Fahrbild ist jetzt viel schöner.

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Die Beibootaufnahme muss etwas modifiziert werden: Der Haken am Beiboot muss länger sein (höher), der Bügel am Schlitten etwas weiter nach hinten. Liegt an der veränderten Wasserlinie des SRK, da ich einen Akku herausgenommen habe.

Die Angelschnur (Ø 0,5mm) für den Schlittenantrieb läuft sehr schön, und die Heckklappen-Mechanik mit den beiden Servos hat noch je eine Zugentlastung (Kugelschreiberfeder) bekommen, damit man sich nicht die Finger einklemmt und das Beiboot beim Hochschieben nicht irgendwas verbiegt, sollte es mal nicht gerade in der Wanne liegen.

Die Servos für die Heckklappe laufen übrigens über einen Verzögerungsbaustein von Conrad, damit eine realitätsnahe Geschwindigkeit beim Öffnen und Schließen erreicht wird.

Die Reling und die Heckbügel sind jetzt montiert, und die Lüfter. Jetzt sieht es schon nach Boot aus...

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Die Lackierung des Modells habe ich an die aktuelle Farbgebung der Rettungseinheiten angepasst. Die vorherige Lackierung war nach original Bildern, wie das von Guido Dielen, der diese Aufnahme im März/April 75 auf Helgoland im Rahmen einer Fotoserie von der BERMPOHL gemacht hat, ausgeführt.
 

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Weitere Tests auf dem Teich verliefen positiv. Das Tochterboot hat sich sauber eingehakt und wurde zuverlässig hochgezogen. Selbst bei "Kleiner Fahrt" ging es wunderbar. Sollte der Akku des Beiboots mal schlapp machen, wird es vom SRK einfach "eingefangen", auch so funktioniert es gut und sorgt für mehr Sicherheit.

Nur ist es mit zunehmender Entfernung immer schwerer, genau zu zielen und in etwa das Heck zu treffen. Vor allem für meinen Sohn war es sehr ungewohnt, er benötigt noch Hilfe dabei. Da müssen wir noch viel üben!

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Hier ein Video am See

real video 0,6 MB

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Nun geht es an den Einbau der Soundmodule und Lampen. Ich habe die Verbindung zum Aufbau mit einem Computer-Stecker (Parallelport) hergestellt, von dort kommen auch die 2 Ladebuchsen (6V und 12V) sowie der Ein/Aus-Schalter, die unter einem der 2 Kästen auf dem Oberdeck verborgen sind.

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Das Nebelhorn und die Sirene hören sich gut an (wenn man bedenkt, dass es die Billig-Variante von Conrad ist); das Diesel-Soundmodul nicht, es klingt eher wie ein Tacker, der Blechdosen nagelt :-)

Die Wasserpumpe läuft jetzt auch, reicht für gut 2-3m. Die Scheinwerfer und Positionslampen leuchten, jetzt fehlen noch Mastleuchten, Decksleuchten und das drehbare Männchen auf dem Vorschiff, dass den Wasserschlauch hält (ist realistischer als ein Löschmonitor). Bei dem Rauchgenerator weiß ich noch nicht, was ich nehmen soll.

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Ich habe im Modellbahnladen Figuren gefunden, die man gut für die Bermpohl nehmen kann (sind für die LGB-Gartenbahn im M 1:22,5). Einen beleuchteten Standplatz hat die Bermpohl auch gefunden, im Arbeitszimmer.

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Heute (07.06.03) war großes SAR-Modellboot-Treffen in Ovelgönne. Mein Sohn und ich haben dafür ganz aufgeregt die Sachen gepackt, die Boote in den Kofferraum gestellt und sind ganz früh heute morgen los.

Als wir um 10 dort ankamen, war schon viel los. Bestimmt 30 Boote oder mehr. Und ich musste unsere dazustellen und den teilweise prüfenden Blicken preisgeben. Aber ich bekam volle Anerkennung und sehr oft die Möglichkeit, mit den anderen Teilnehmern über all die Modelle zu fachsimpeln und interessante Tipps und Lösungen zu besprechen. Dieser Tag war für mich und Alexander sehr schön und es hat uns sehr viel Spaß gemacht. Dank an den Veranstalter SMC-Seefalke, und besonders an Karsten Linder, der uns sofort empfangen hat. Hier ein paar Bilder:

          

                
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Das Radar im Mast dreht sich jetzt. Ich habe einen E-Motor aus einer alten Sony-Videokamera genommen. Er hat bisher gezoomt. Diese Motoren sind sehr klein und leise, haben ein angeflanschtes Getriebe und entwickeln eine beachtliche Kraft. Sie laufen bei etwa 3 Volt los und können bis 12 Volt locker mithalten, ohne in Rauch aufzugehen.

Das Boot ist mittlerweile umlackiert in Leuchtrot, das Orange hat mir nicht mehr gefallen.

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"Vater & Sohn"-Fahren im Hamburg (30.08.03): Es war ein großer Erfolg. Alexander hat beim Wettbewerb nicht nur den 8ten Platz gemacht, sondern sogar eine Medaille als jüngster Teilnehmer bekommen.

Vielen Dank für diesen schönen Samstag an das Team des SMC-Hamburg, die eine wirklich gelungene Veranstaltung für uns Modellbootfahrer-mit-modellbootfahrendem-Sohn gemacht haben.

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Wir fahren jetzt bei gutem Wetter im Stadtpark Hamburg, Samstags oder Sonntags ab 15:00 Uhr. Es sind immer einige Modellbauer da, aber auch viele Kinder mit Spielzeugbooten. Sie sind ein gutes Ziel für den Feuerlösch-Mann auf Deck.

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Das nächste Projekt steht bereits im Bastelkeller, eine Paul Denker. Sie muss über Winter allerdings ins Trockendock, die Maschine und Elektrik müssen erneuert werden, leichte Umbauarbeiten und ein neuer Anstrich sind ebenfalls fällig.

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Ich habe eine neue Herausforderung: Die Berlin im Maßstab 1:72 ... mit ferngesteuertem Beiboot !

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12.10.03: Abschippern im Stadtpark  -  Wir sehen uns nächstes Jahr...